Die Rose

Die Königin der Blumen
Schmelzendes Gold der in die Blütenkrone geschmiegten Staubfäden, samtweiche Blütenblätter, makellos geometrische Blätter und ein unvergleichlicher Duft – kein Wunder, dass die Rose als Königin der Blumen und Botschafterin der Liebe jedem bekannt ist.
Sie auch als Heilpflanze zu nutzen erscheint erst einmal ungewöhnlich, dennoch ist uns bekannt, dass allein der Duft oder der Anblick einer Rose wohl tut und das Herz erfreut.
Rosen werden als Heilpflanzen genutzt seit es Menschen gibt. Die ältesten Spuren von Rosen sind 40 Millionen Jahre alt. In China, Indien, Persien, Griechenland und Rom ist die wilde Rose bereits seit Jahrtausenden im Arzneischatz enthalten. Allerdings wurden meistens die Früchte, die Hagebutten, verwendet. Die Perser waren große Kenner der Rosen und verstanden die Kunst, sie zu veredeln. Diese wunderbar duftenden Schönheiten wurden nicht nur wegen ihres Aussehens gepflegt, sondern auch zur Bereicherung des Heilkräutergartens jeder Klosterapotheke. Für die Römer gehörten Rosen übrigens zu den höchsten Luxusgütern, weswegen ihre Festmahle von Rosenblüten übersät waren. Mit dem Ende des Römischen Reiches fand der Rosenanbau (zu Heilzwecken) nur noch in den Klostergärten statt. Karl der Große verordnete 794 schließlich in seiner „Capitulare de villis vel curtis imperialibus“ den Anbau von Obst-, Gemüse-, Heil- und Zierpflanzen, einschließlich der Rose Rosa canina (als Heilpflanze) und sorgte so wieder für die Verbreitung der Rose in privaten Gärten. Allein in Europa gibt es nun mehrere tausend Rosenarten.

Heilsame Blüten
Die Rosenblütenblätter enthalten edles ätherisches Öl, weshalb sie so wunderbar duften.
Das ätherische Öl und die Gerbstoffe in der Rose wirken entzündungshemmend, was sich wohltuend auf entzündete oder wunde Hautstellen auswirkt. Um den Juckreiz und die Schwellung bei Insektenstichen zu lindern, kann einfach der Saft von zerriebenen Blütenblättern aufgetragen werden. Bei müden, gereizten und geschwollenen Augen hilft bereits eine Auflage von frischen Rosenblütenblättern, die als Kompresse zehn Minuten einwirken darf.

Welche Rosen?
Sie können tatsächlich alle Rosen verwenden – Hauptsache, sie duften und wurden nicht gespritzt. Einen ganz besonderen, unvergleichlichen Duft besitzt die Damaszener Rose, die vor allem auch in der Aromatherapie sehr geschätzt wird. Ihre Blüte setzt sich aus etwa 30 Blütenblättern zusammen und sie besitzt weiches, graugrünes Laub.
Ernten sollte man die Rosenblüten kurz vor ihrer vollen Entfaltung: am besten früh morgens, wenn die Sonne noch nicht auf die Pflanzen scheint, denn dann ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten. Anschließend werden sie auf ein Tuch ausgebreitet und an einem warmen, lichtgeschützten Ort getrocknet oder gleich verwertet. Man kann auch die Knospen der Rosenblüten ernten und trocknen.

Die Heilwirkungen der Rosenblüten sind vielfältig und meist unterschätzt: ihre zusammenziehende, krampflösende, blutreinigende, blutstillende und nervenstärkende Kraft kann eingesetzt werden bei leichten Herzbeschwerden, Kopfschmerzen, schlecht heilenden Wunden, leichten Verbrennungen, Augenschmerzen, Durchfall, Magenkrämpfen, Leberschwäche, Heuschnupfen und Schwindel. Außerdem ist es möglich, die Rose bei Wechseljahrsbeschwerden anzuwenden, da sie einen Östrogenmangel ausgleichen kann.
Am besten bereiten wir uns dazu einen Tee aus Rosenblüten zu, der auch ohne Beschwerden einfach wohltuend, nervenstärkend und entspannend ist.

Rosenblütentee Rezept:
Einen Viertelliter Wasser zum Kochen bringen, dann fünf Minuten abkühlen lassen. Anschließend die Blütenblätter von einer ungespritzten Rose - frisch oder getrocknet – übergießen und 5-10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, damit die ätherischen Öle nicht entweichen. Die am Deckel hängenden Tropfen ebenfalls in den Aufguss fließen lassen.
Je nach Belieben mit Honig süßen.

Laut Messegué ist dieser Aufguss auch ein unfehlbares Mittel gegen Halsschmerzen, Verschleimungen in der Nase und den Bronchien, hartnäckigen Entzündungen des Verdauungssystems, Durchfall und Ruhr und bestens geeignet als Kur bei einer durch Antibiotika zerstörten Darmflora.

Zum Gurgeln, als Mundwasser und bei Zahnfleischentzündungen eignet sich auch eine Tinktur sehr gut, die in warmen Wasser aufgelöst wird. Innerlich wirkt sie als herz- und nervenstärkendes Tonikum und kann kurweise vor dem Essen (10 –20 Tropfen mit Wasser verdünnt) eingenommen werden.

Wildrosentinktur Rezept:
Wildrosenblüten locker in ein Schraubverschlussglas füllen und mit 70%igem Alkohol aus der Apotheke füllen. Täglich schütteln und 14 Tage an der Sonne ziehen lassen. Anschließend in dunkle Fläschchen abfüllen.

Rosentee äusserlich
Rosentee kann man in Form von Umschlägen, Waschungen oder für Teilbäder gegen hartnäckige Wunden und leichte Verbrennungen verwenden. Auch in der Frauenheilkunde wird sie als schleimhautheilende lokale Anwendung während oder nach Vaginalinfekten sehr geschätzt.
Als Mundspülung hilft Rosentee gegen Mundentzündung und Zahnfleischentzündung.
In Salben und Cremes wirkt die Rose sehr hautfreundlich.

Rosencreme Rezept:
1 Teelöffel Lanolin und 1 Teelöffel Bienenwachs im Wasserbad bei ca. 60°C auflösen. 4 Esslöffel Mandelöl hineinrühren, vom Herd nehmen. 5 Esslöffel warmes Rosenwasser mit einem Quirl auf kleinster Stufe einrühren. Ist die Mischung handwarm können bis zu 4 Tropfen ätherisches Rosenöl hineingerührt werden, bis die Creme erkaltet. Da diese Creme keine Konservierungsstoffe enthält, ist sie nur ca. eine Woche im Kühlschrank haltbar. Größere Mengen werden am besten im Salbentöpfchen eingefroren.

Der Duft der Rose
Das echte ätherische Rosenöl ist extrem kostbar und somit sehr teuer – das viel billigere, synthetische Öl darf keineswegs damit vergleicht werden und eignet sich nicht zu Heilzwecken. Der Preis hängt mit der aufwendigen Herstellung zusammen:
Für 1 Gramm Rosenöl werden 3 - 5 Kilogramm Rosenblütenblätter benötigt, die gepflückt, destilliert und verpackt werden müssen. Für einen einzigen Tropfen ätherisches Öl braucht es also ungefähr 30 frische Rosen.
Nur wenige Rosenarten werden zur Destillation in großem Stil kultiviert, dazu gehört aber vor allem die Damaszenerrose. Es gibt inzwischen viele Projekte, in denen diese außergewöhnlich duftende Rose biologisch-dynamisch und nach Richtlinien des fairen Handels angebaut wird – in der Türkei z.B. sogar bis auf 1000 m Höhe.
Neben seinen entzündungshemmenden und abschwellenden Eigenschaften wirkt das ätherische Öl krampflösend und kräftigend. Es hilft bei Verdauungsstörungen, stärkt Herz und Kreislauf und wirkt beruhigend und ausgleichend aufs Gemüt.
Bei nervösen Herzbeschwerden ist es wohltuend, einen Tropfen Rosenöl in der Herzgegend einzureiben, denn dann breitet sich die harmonisierende, nervenstärkende Wirkung aus. Bei Gürtelrose darf das ätherische Rosenöl sogar direkt auf die Bläschen aufgetragen werden.
Einige Tropfen des ätherischen Rosenöls in der Duftlampe lässt die Stimmung im Raum oft schnell verändern. Die Rose hilft auf diese Weise, seelische Tiefs, Depressionen, Enttäuschungen und Traurigkeit behutsam aufzulösen.

Rosenhonig Rezept:
2 TL flüssiger Honig werden mit 1 Tropfen ätherischem Rosenöl vermischt. Dieser Rosenhonig wirkt beruhigend, zusammenziehend und entzündungshemmend. Er wird für Kinder bei Zahnungsbeschwerden und Zahnfleischentzündungen zum Einreiben verwendet.

Rosenwasser
Das Wasser, das nach der Wasserdampfdestillation zurückbleibt, ist das eigentliche "Rosenwasser" und wir auch als "Rosen-Hydrolat" bezeichnet. Es wird oft zur Verfeinerung von Desserts oder Marzipan verwendet, ist aber auch ein Hausmittel, das gegen vielerlei Beschwerden hilft:
Bei entzündeter und geröteter Mundschleimhaut oder Aphten hilft eine Gurgellösung mit Rosenwasser. Dafür geben Sie 15-20 Tropfen Rosenwasser auf ein Glas Wasser.
Bei Ekzemen, Gürtelrose oder Herpesinfektionen wirken Rosenwasser-Kompressen oder Auflagen kühlend und beruhigend. Umschläge und Brustwickel mit körperwarmem, etwa 10%igem Rosenwasser sind wunderbar entspannend für Herz und Nerven. Ein Rosenwasser-Spray tut außerdem zur Erfrischung gut.

Rosenwasser Rezept:
Zwei Handvoll Rosenblütenblätter mit ¼ l kochendem Wasser übergießen, zwei Tage zugedeckt ziehen lassen und abfiltern. Das so gewonnene Rosenwasser wiederum aufkochen und über zwei weitere Handvoll Rosenblütenblätter gießen und zwei Tage ziehen lassen. Anschließend abfiltern und abfüllen – zur längeren Haltbarkeit kann das Wasser auch in Eiswürfelförmchen eingefroren werden, ansonsten in wenigen Tagen verbrauchen und kühl lagern.
 
Rosen-Bademilch Rezept:
Ein Fest für die Sinne und gleichzeitig enorm Entspannend ist ein Bad mit Rosenmilch. Dazu werden 5 EL Sahne mit bis zu 5 Tropfen echtem ätherischen Rosenöl in einem Schraubverschlussglas vermischt und in das warme Badewannenwasser gegeben. Die Sahne gilt dabei als Emulgator und macht die Haut samtweich.

Starke Früchte
Die roten Früchte der Heckenrosen reifen im Spätsommer heran und bleiben manchmal bis in das nächste Jahr an den Zweigen hängen, wobei sie zur Verwendung im September/Oktober gesammelt und zügig an einem warmen Ort getrocknet werden müssen. Was wir volkstümlich als Früchte bezeichnen, sind eigentlich Scheinfrüchte, denn im Inneren der Hagebutte befinden sich die steinharten Schliessfrüchte, sogenannte Nüsschen. Diese werden oft fälschlicherweise als Samen bezeichnet. Die Borsten innerhalb der Hagebutte sind als Juckpulver bekannt.
Die Heckenrose im Speziellen schätzt man als wohlschmeckenden Vitamin-C-Spender, der noch heute zur Vorbeugung der Grippeerkrankung eingesetzt wird. Der Vitamingehalt der unterschiedlichen Hagebutten variiert stark, aber ist in jedem Fall sehr hoch. Die der Hundsrose (Rosa canina) enthalten z.B. 500mg, die der Kartoffelrose (Rosa rugosa) ca. 940 mg Vitamin C auf 100 g Frucht. Die Hagebutten der Kartoffel- oder auch Apfelrose sind besonders ergiebig an Fruchtfleisch und der Strauch blüht von Juni bis September, während bereits die ersten Früchte heran reifen.
Auch die Kerne haben therapeutische Effekte – sie sind als harntreibend und gichtwidrig bekannt und besitzen sogar eine vanilleähnlichen Geschmack. Es ist also nicht nötig, dass wir uns die undankbare Arbeit machen, für einen Hagebuttentee alle Kernchen herauszukratzen! Statt dessen trocknen wir die ganze Frucht und schneiden sie vor der Teezubereitung klein. Der vitaminreiche Hagebuttentee wird bei Vitaminmangel und wegen seiner harntreibenden Wirkstoffe bei Steinleiden, Rheuma, Nieren- und Blasenleiden, Gicht und allen Erkältungskrankheiten getrunken. Auch als Bestandteil von Blutreinigungstees findet er Verwendung.

Hagebuttentee Rezept:
Ca. einen gehäuften EL getrocknete Hagebutten klein schneiden und mit einer Tasse kaltem Wasser einige Stunden ziehen lassen. Anschließend aufkochen und 5 – 10 Minuten köcheln lassen, anschließend durch einen Filter (wegen der Härchen) absieben. Das Aufkochen schadet den Vitaminen nicht, sondern bringt sie in eine wasserlösliche Form.

Kraft für die Gelenke
Studien haben es bewiesen: durch die Einnahme von Hagebuttenpulver werden Entzündungen in Gelenken gelindert und angegriffene Knorpel wieder regeneriert. Allerdings ist ein Langzeitnachweis wegen der zu kurzen Marktzeit noch nicht möglich, deshalb ist ihr Pulver als Nahrungsmittelzusatz und nicht als Heilmittel erhältlich.
Seit dänische Wissenschaftler den Wirkungsnachweis erbracht haben, dass das Pulver  der Fruchtschalen und -kerne entzündungshemmend wirkt, ist die Hagebutte in Form von Pulver oder Kapseln zur Linderung der Arthritis und Arthrose sehr gefragt. Das Hagenbuttenpulver lindert die Symptome der Gelenkarthrose und verringert dabei auch den Konsum von Schmerzmitteln. Die für die Arthrose typische Morgensteifigkeit wird verringert, allgemein wird die Beweglichkeit der Hüft- , Knie- und Handgelenke deutlich verbessert. Im Weiteren senkt Hagebuttenpulver das «schlechte» LDL-Cholesterin, das sich in den Gefässen ablagert und zur Arteriosklerose führen kann.
Für eine optimale Wirkung ist die Einnahme eines Hagebuttenpulvers empfehlenswert, um einen kontinuierlich wirksamen Wirkstoffspiegel im Blut zu garantieren. Für eine nachhaltige Schmerzreduktion und Verbesserung der Beweglichkeit nimmt man 5 g Hagebuttenpulver pro Tag während mindestens 3 Monaten, ideal 6 Monaten, ein. Bereits nach 3 Wochen verspürt man eine deutliche Verbesserung der Gelenkbeschwerden. Es gibt das Pulver auch als standardisiertes Fertigpräparat in der Apotheke zu kaufen.

Kostbares Samenöl
Aus einigen Hagebuttensamen, z.B. von der Rosa Mosqueta, wird ein Wildrosenöl mit leicht gelblicher Farbe gewonnen, das reich an ungesättigten Fettsäuren ist wie Gamma-Linolensäure oder auch Stearin- und Palmitinsäure. Dieses hochwertige edle Öl wird aufgrund seiner hervorragenden Wirk- und Inhaltsstoffe als besondere Zutat für Kosmetika verwendet. Im Herkunftsland Chile werden die heilenden Wirkstoffe dieses Öls auch zur Behandlung bei Akne, Ekzemen, Narben und zur Wundheilung oder Stärkung des Immunsystems genutzt. Rosenöl eignet sich für jeden Hauttyp und wird von der Haut optimal aufgenommen, ohne einen Fettfilm zu hinterlassen. Es aktiviert die Regeneration der Haut, bindet Feuchtigkeit, indem es vor Wasserverdunstung schützt und es heilt und beruhigt irritierte, schuppige, rissige, trockene Altershaut.

Literaturtipps:

· Heide Fischer: Frauenheilpflanzen
· Ursula Stumpf: Kräuter für Körper und Seele
· Susanne Fischer-Rizzi: Himmlische Düfte
· Rita Pilaske: Natürliche Hausapotheke Rose

Sendung am: 
12. August 2009
In der Sendung: 
Kaffee oder Tee