Für schwache Mägen und müde Füße - der Beifuß

Mit seinem bis zu 1,50 m hohen Wuchs ist er zwar auch im Rieselfeld fast nicht zu übersehen, wird aber dennoch kaum beachtet. Die Rede ist vom Beifuß, der mit seinen unscheinbaren gelblichen, später rötlichen Blütenköpfchen, den grünen Blättern mit silbern schimmernder Unterseite und dem leicht buschigen Aussehen kein besonderes Aufsehen erweckt. Um so erstaunlicher, dass er seit Jahrtausenden als kraftvolles Heilkraut und Ritualpflanze weltweit geschätzt und geehrt wird. Ob zur Räucherung als Schutz vor „bösen Geistern“, als Magenbitter zur Anregung der Verdauung, zur Entgiftung oder zur Wehenförderung während einer Geburt (deshalb Vorsicht während der Schwangerschaft!) bietet Artemisia vulgaris, nach der griechischen Göttin Artemis benannt, vielfältige Verwendungsmöglichkeiten. Als Tee, Gewürz oder Schnaps kommen uns beispielsweise seine Bitterstoffe zugute, die vor allem die Verdauungssäfte anregen und somit Fette bekömmlicher werden lassen. Wandersleute, die müde Beine bekommen, können sich sogar schon mit einem Blatt der Pflanze „bei Fuß“ Erleichterung verschaffen. Als Pionierpflanze, die sich des Ödlands bemächtigt, ist der Beifuß natürlich nicht nur im Rieselfelder Naturschutzgebiet anzutreffen, sondern gerade auch in den kargen Baugruben. Reiben wir ein wenig an den Blüten, deren Pollen übrigens für AllergikerInnen zum Alptraum werden können, steigt uns der charakteristische aromatische Duft des ätherischen Öls in die Nase, durch den wir dieses besondere Kraut, auch „Mutter aller Pflanzen“ genannt, nicht nur im Gänsebraten wiedererkennen, wo er traditionell als gesundes Gewürz eingesetzt wird.

Erschienen: 
1. Oktober 2000
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld