Heil für das Gebein - der Beinwell

Es gibt Pflanzen, deren Namen geben uns bereits Aufschluss über die hauptsächlichen Heilwirkungen – so auch beim Beinwell: „Bein“ meint Knochen und „wallen“ kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet zusammen heilen. Beinwell ist tatsächlich ein ausgezeichnetes Knochenheilmittel – sowohl innerlich (z.B. homöopathisch eingenommen), als auch äußerlich als Umschlag oder Salbe bei Knochenbrüchen, Verstauchungen oder Zerrungen. Ganz abgesehen davon erzielt die phantastische Zusammensetzung der Inhaltstoffe, zu denen u.a. Allantoin, Schleim und Kieselsäure zählen, sehr gute Resultate bei schwer heilenden Wunden, Blutergüssen und Knorpelverletzungen. Als Allerweltsmittel für Knochen und Wunden bezeichneten schon die alten Griechen diese besondere Pflanze, mit der in ländlichen Gegenden selbst heute noch das Vieh von Knochenbrüchen geheilt wird. Jetzt im Herbst, wenn sich die Kraft der Pflanze wieder ganz unter die Erde zurück zieht, sollten wir bei Spaziergängen einen kleinen Spaten griffbereit haben, um einige schwarze Wurzeln dieses Rauhblattgewächses zu ernten, das auf vielen Wiesen anzutreffen ist. Verwandt mit dem Borretsch erkennen wir es an den haarigen, kratzigen Blättern, die beim Zerreiben etwas schleimig sind. Gesäubert und klein geschnitten können wir daraus zusammen mit Ölivenöl und Bienenwachs eine phantastische Salbe herstellen oder wir lassen sie trocknen und bereiten bei Bedarf aus der pulverisierten Wurzel mit warmem Wasser gemischt einen Breiumschlag zu. Beim Ernten müssen wir keine Angst haben, den Beinwell auszurotten, denn selbst der kleinste Wurzelrest lässt wieder eine üppige Pflanze hervor sprießen, was auf die erstaunliche Kraft dieser Pflanze hinweist. Auch die innerliche Verwendung als Tee oder Gemüse wird seit Jahrhunderten geschätzt, sollte aber aufgrund der enthaltenen Alkaloide mit Bedacht und nicht während einer Schwangerschaft durchgeführt werden. Delikat schmecken beispielsweise in Pfannkuchenteig gewendete und in Öl ausgebackene Blätter. Wer den Beinwell nicht selber entdecken oder ernten kann, aber nicht auf die wertvollen Heilwirkungen verzichten mag, wird auf jeden Fall in der Apotheke fündig. Hier werden unterschiedliche Beinwellsalben angeboten, deren Anwendung bei stumpfen Verletzungen, z.B. vom Sport, auf jeden Fall einen Versuch wert sein sollte.

 

 

Rezept Beinwellsalbe: 500 g frische Wurzeln sauber waschen, klein schneiden und in einen Topf geben. Ca. 500 ml kaltgepresstes Olivenöl darüber gießen, so dass die Wurzeln völlig bedeckt sind. Diese Mischung ca. 45 Minuten unter ständigem Rühren erhitzen und kurz unter dem Siedepunkt halten. Anschließend durch ein Tuch abseihen, gut ausdrücken und das Öl in den gesäuberten Topf zurück füllen. Nach und nach Bienenwachs  (bis zu 50 g) dazu geben und unterrühren, bis es ganz geschmolzen ist. Immer wieder einen Tropfen abkühlen lassen und Konsistenz prüfen – ggf. weiter Bienenwach zufügen. In Salbentöpfchen füllen, geöffnet abkühlen lassen und im Kühlschrank aufbewahren.

 

Erschienen: 
1. Oktober 2003
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld