Die Brennnessel - geliebt und gehasst

Sie ist sicherlich eine der bekanntesten Wildkräuterpflanzen, denn meist  schon machen Kinder unliebsame Bekanntschaft mit der Brennessel (Urtica dioica) und lernen es schnell, sie zu meiden. In der Tat vermag die Brennessel winzige Spritzen zu geben und wird aus diesem Grund auch die Ärztin unter den Heilpflanzen genannt bei denjenigen, welche diese Eigenschaft zu nutzen verstehen. Sich mit Brennesseln zu schlagen erzeugt nämlich an der betreffenden Stelle ein stundenlanges Wärmegefühl und eignet sich deshalb hervorragend bei schmerzenden Gelenken, Rheuma- oder Ischiasbeschwerden. Es kostet nichts - höchstens Überwindung. Doch  die Brennessel hat noch viele weitere starke Heilkräfte, die auf all ihre Pflanzenteile verteilt sind. Ein Tee aus den Blättern befreit den Körper von Giftstoffen und ist somit bestens geeignet für eine Entschlackungskur im Frühjahr, wobei er zudem noch Vitamine und vor allem wertvolles Eisen zuführt. Bei Stillenden regt er außerdem noch die Milchproduktion an. Auch bei Haarausfall kann die Brennessel als Tee oder Haarwasser das Wachstum wieder fördern, indem sie den Haarboden stärkt und die notwendige Durchblutung fördert. Die Wurzel wiederum wird therapeutisch mit Erfolg bei Prostatavergrößerung eingesetzt. Die unscheinbaren Samen, welche im Sommer reifen, enthalten erstaunlich viele vitalisierende Stoffe, welche verzehrt bei Erschöpfungszuständen, nach Krankheiten und zur Potenzsteigerung Wunder wirken können. Nicht ohne Grund werden sie deshalb heutzutage unter Kräuterkundigen als pflanzliches Viagra bezeichnet. So viel nur zu den therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten, denn es gibt noch sehr viele andere.  Neben ihrer Verwendung  zur Nesselstoffherstellung, als Färbemittel, Pflanzendünger und zum Bierbrauen muss sie besonders als Küchengemüse erwähnt werden, denn sie kann in Suppen, Aufläufen, als Gemüsebeilage, in Pfannenkuchen, frittiert oder gebraten genossen werden und führt dem Körper auf diesem Weg ihre wertvollen Stoffe zu. Vielleicht stimmt es ja wirklich, was in einem alten Kräuterbuch zu lesen ist: womöglich wäre die Brennessel schon längst aufgrund ihrer vielen fantastischen Eigenschaften ausgerottet, hätte sie nicht ihre brennenden Haare ...

Erschienen: 
1. März 2002
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld