Die Schafgarbe - Achillea millefolium

Schafgarbe

Wir müssen nicht viele Heilpflanzen kennen, um für eine Menge Wehwehchen das passende Mittel parat zu haben. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist unsere heimische Schafgarbe, denn sie kann bei unterschiedlichsten Beschwerden erfolgreich eingesetzt werden und verdient wahrlich Beachtung. Aufgrund ihres sehr breiten Wirkungsspektrums wird sie sogar seit langer Zeit als “Heil aller Schäden” betitelt und hat eigentlich einen viel höheren Bekanntheitsgrad verdient, zumal diese seit mindestens 60.000 (!) Jahren bekannte Heilpflanze mit ihren weißen oder rosafarbenen Korbblüten bei uns und auf mehreren Kontinenten häufig anzutreffen ist. Selbst Achilles hat die Heilkräfte schon gekannt, als Wundheilkraut eingesetzt und verhalf dem charakteristischen, stark verästelten „Tausendblatt“ zum botanischen Namen „Achillea millefolium“. Schafe sollen das Kraut vermehrt bei Krankheit fressen, wodurch neben vielen Volksnamen der gebräuchlichste Begriff entstanden ist. „Garbe“ selber bedeutet „die Heilende“.
Abgesehen von ihrer Verwendung als Heilpflanze wurde die Schafgarbe zum Bierbrauen und ihre harten, geraden Stängel in Asien zum Orakeln verwendet. Auch als nahrhafte Beigabe zu Salat sind ihre charakteristischen, stark verästelten Blätter beliebt. Als Bodenheilerin gelingt es der Schafgarbe sogar, völlig übersäuerte Böden zu regenerieren, indem sie die Säure bindet.

Hauptwirkstoffe
Die Schafgarbe enthält verdauungsunterstützende Bitterstoffe, hautheilende Gerbstoffe, bindegewebsstärkende Kieselsäure, wertvolle Mineralien und vor allem ein ganz besonderes ätherisches Öl, welches u.a. aus Azulen besteht. Dieses Öl hat eine beeindruckende blaue Farbe und eine ausgesprochen antiseptische, entzündungshemmende Wirkung. Es ist mit dem Öl der Kamille verwandt und stark krampflösend – somit kann es im Tee bei kolikartigen Magen-Darm-Schmerzen, bei Menstruationsbeschwerden und bei Migräne helfen. Doch wir können es auch in seiner Reinform in ein krampflösendes Massageöl verwenden. (s.u.)

„Bauchwehkraut“
Die krampflösenden Eigenschaften helfen uns als Tee oder Auflage auch bei krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich und wertvolle Bitterstoffe in Kombination mit Gerbstoffen und ätherischem Öl wirken hervorragend bei Appetitlosigkeit und schlechter Verdauung. Auch unserer entgiftenden Leber tut die Schafgarbe gut, weshalb sie gerne begleitend während einer Fastenkur eingesetzt wird (z.B. auch als Tee-Auflage auf die Leber).

Rezept: Schafgarbentee
Einen Teelöffel getrocknetes oder zwei Teelöffel frisches Schafgarbenkraut mit ¼ l kochend heißem Wasser überbrühen und 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Jeweils eine Tasse 15 Minuten vor dem Essen trinken.

Rezept: Verdauungslikör
Ein großes Marmeladenglas locker mit blühendem Schafgarbenkraut füllen, etwas Kandiszucker nach Geschmack zugeben und mit 32%igem Korn aufgießen. Gut verschließen, mindestens zwei Wochen an einem warmen Ort ziehen lassen und bei Verdauungsstörungen 15 Minuten vor dem Essen ein Schnapsgläschen trinken.

„Schafgarbe im Leib tut wohl jedem Weib“
Dieser alte Spruch teilt uns einen wichtigen Wirkungsbereich der wunderbaren Heilpflanze mit, und zwar lindert sie starke Menstruationsbeschwerden und reguliert gleichzeitig Stärke und Häufigkeit der Monatsblutung. So ist sie als Tee für viele Frauen eine große Hilfe, die zu starken und langen, aber auch zu allzu schwachen Blutungen neigen. Das stark antimykotische ätherische Öl wiederum kann bei Vaginalpilz (z.B. in Joghurt eingerührt und vaginal mit einer Einmalspritze über Nacht appliziert) Linderung und Heilung bringen. Die hormonregulierende Wirkung der Schafgarbe hat sich auch schon oft bei ungewollter Kinderlosigkeit bewährt und sie ist für Schwangere ein wunderbares Tonikum, das u.a. gegen schwere Beine, Hämorrhoiden und Morgenübelkeit hilft.

Rezept: Schafgarben-Schmerzöl
Ein Schraubverschlussglas locker mit frisch gepflückter und klein geschnittener Schafgarbe füllen. Anschließend ein biologisches Öl, z.B. Olivenöl, darüber gießen, so dass das Kraut bedeckt ist. Sechs Wochen an einem warmen, gerne auch sonnigen Ort ziehen lassen, dann abseihen und in einem dunklen Schraubverschlussglas kühl aufbewahren. Bei Bedarf den schmerzenden Unterleib damit einmassieren. Durch Erwärmen und Eindicken mit Bienenwachs können wir uns aus diesem Öl auch eine Salbe herstellen, die wir gut bei leichten Verletzungen oder Hämorrhoiden auftragen können.

„Wundmedizin“
Doch nicht nur das weibliche Geschlecht weiß die Schafgarbe seit langer Zeit zu schätzen - so ist beispielsweise bekannt, dass viele Soldaten im Ersten Weltkrieg froh um die wundheilenden und blutstillenden Eigenschaften dieser Alternativmedizin gewesen sind. In Untersuchungen erwies sich Schafgarbentee tatsächlich als blutgerinnungsfördernd. Die Bezeichnung des Kräuterkundigen Mességué als „Jod-Tinktur der Wiesen und Felder“ verdeutlicht, wie stark desinfizierend, antibakteriell und entzündungswidrig die Schafgarbe wirkt, was vor allem dem ätherischen Öl (einem azurblauem Öl wie dem der Kamille) zu verdanken ist. Durch Zerreiben der Blüten können wir diese sehr gut riechen, aber es kommt auch in anderen Teilen der Pflanze vor. Auch den Indianern war diese Heilkraft bekannt und viele US-Soldaten haben sie während des Bürgerkrieges am eigenen Leib beobachten können, weshalb sie bald in ganz Amerika als Soldaten-Wundkraut bezeichnet wurde. Meistens wurde das ganze Kraut getrocknet aufbewahrt und im Bedarfsfall pulverisiert auf Wunden aufgetragen. Doch auch die frischen Blättchen können unterwegs bei Verletzungen sofort verwendet werden:

Rezept: Wiesenwundheilpflaster
Einige saubere Schafgarbenblätter kräftig zwischen den Händen verreiben, bis Saft austritt. Dieser kann direkt auf kleine Verletzungen und Schürfwunden aufgetragen werden. Er wirkt blutstillend, entzündungshemmend und heilungsfördernd.

„ Herrgotts Rückenkraut“
Als krampflösende Pflanze war die Schafgarbe einst bei Rückenbeschwerden sehr beliebt. Das für diese Wirkung hauptverantwortliche ätherische Öl lässt sich in ein Basisöl einarbeiten und für krampfartige Beschwerden an verschiedensten Körperstellen verwenden.

Rezept: Krampflinderndes Blauöl
Ungefähr einen Teelöffel biologisches Basisöl (z.B. Sonnenblumen-, Oliven-, Mandelöl) in die hohle Hand geben und ein Tropfen ätherisches Schafgarbenöl zufügen. Mit dem Zeigefinger der anderen Hand verrühren und auf die schmerzende Körperpartie (Gebärmutter, Magen, Darm, Rücken) einmassieren.

„Heil aller Welt“
Damit nicht genug – die Schafgarbe heilt noch viele weitere Beschwerden:
Auch Blasenentzündungen lassen sich mit der Schafgarbe kurieren, indem ab den ersten Anzeichen ein Liter Tee heiß über den Tag verteilt getrunken wird – unterstützt beispielsweise durch ein Sitzbad, dem zwei bis drei Liter starker Schafgarbentee beigefügt wird. Das entkrampft zusätzlich die Blase.
Wer Probleme mit den Venen hat, weiß diese Heilpflanze bei Durchblutungsstörungen und Krampfadern (darunter auch lästigen Hämorrhoiden) zu schätzen, denn sie wirkt sehr kräftigend auf unser Bindegewebe.
Daneben kennt die Volksheilkunde noch viele weitere Wirkungen der Schafgarbe: z.B. zur Unterstützung bei Erkältungskrankheiten, bei Nierenerkrankungen, Fieber, Blutandrang im Kopf, Rheuma, unreiner Haut, nervösen Herzbeschwerden ...

Zu beachten: bei empfindlichen Menschen kann die Schafgarbe eine Allergie und Wiesendermatitis erzeugen, besonders wenn der frische Saft auf die Haut gebracht und der Sonne ausgesetzt wird. Personen mit Korbblütlerallergie sollten die Pflanze ebenfalls mit Vorsicht anwenden.

 
Literaturtipps:
ð Susanne Fischer-Rizzi „Medizin der Erde“, AT-Verlag
ð Eva Aschenbrenner: Die Kräuterapotheke Gottes, Kosmos Verlag
ð Maria Treben „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“, Ennsthaler
ð Heinz J. Stammel: „Die Apotheke Manitous“, rororo Sachbuch
ð Margret Madejsky: „Lexikon der Frauenkräuter“, AT-Verlag
ð Bruno Vonarburg „Natürlich gesund mit Heilpflanzen“, AT-Verlag

 

Sendung am: 
16. September 2009
In der Sendung: 
Kaffee oder Tee