Das Gänseblümchen - Bellis perennis

Das Gänseblümchen ist beliebt, besonders bei Kindern ... sie nehmen Sie als „Liebesorakel“ oder flechten daraus Kränze. Was das Besondere am Gänseblümchen ist und welche Heilkraft sich in diesem unscheinbaren Blümlein verbirgt – das wollen wir nun genauer erfahren. Was macht uns denn das Gänseblümchen so sympathisch?
Das Gänseblümchen ist hübsch und angenehm anzuschauen, es spricht unser Gemüt an. Das verrät schon ihr botanischer Name: „Bellis perennis“– „Bellis“ von „bellus“, was schön, hübsch oder niedlich bedeutet. „Perennis“ bedeutet ausdauernd - das Gänseblümchen blüht nicht nur fast das ganze Jahr über, sondern es ist auch eine besonders widerstandsfähige Pflanze, es widersteht sogar Frost und kann an geschützten Stellen auch im Winter gefunden werden. Einer engl. Volksweisheit nach ist es aber dann erst Frühling, wenn du mit einem Fuß auf sieben Gänseblümchen treten kannst.
Andere Namen für das Gänseblümchen – das natürlich von Gänsen gerne verspeist wird - sind u.a. Tausendschönchen, Maßliebchen, Marienblümlein, Augenblümchen, Gichtkraut, Regenblume, Mutterblümchen oder Kleinstes Wundkraut, die bereits etwas über die Heilkraft der Pflanze verraten oder darauf hinweisen, dass sich die Blüten bei aufkommendem Regen sehr schnell zuschließen und sie somit zu den Wetterorakelblumen gehört.

Gänseblümchen

Gänseblümchen als Heilpflanze – das ist nicht so bekannt. Welche heilsamen Kräfte hat es denn?
Das Gänseblümchen galt früher als eine Art Allheilkraut zum Beispiel bei Husten, Verstopfung, Hautkrankheiten und Wunden. Heute kennt man die Inhaltsstoffe, die die Heilkraft des Gänseblümchens ausmachen. Nachgewiesen hat man Saponine, Vitamine, Schleimstoffe, Mineralstoffe, Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherisches Öl und Flavonoide. Es ist nicht der einzelne Inhaltstoff an sich, sondern das Zusammenspiel all dieser Stoffe, die die große Bandbreite in der Wirkung des Gänseblümchens ausmachen.

Erste Hilfe von der Wiese
Auf Gänseblümchen wird oft herum getreten– oftmals läuft man ja achtlos über sie hinweg und doch stehen sie wieder auf. Passenderweise bilden Gänseblümchen Wirkstoffe gegen Verletzungen durch Tritte. Das hilft nicht nur dem Gänseblümchen selbst, sondern auch uns Menschen. Gänseblümchen gilt als eines der traditionell wichtigsten Naturheilmittel bei Prellungen, Quetschungen, Blutergüssen, Verstauchungen, Muskelschmerzen und Wunden sowie Hautausschlägen.

Bei solchen Verletzungen könne wir das Gänseblümchen auf unterschiedliche Weise einsetzen:

Die einfachste Möglichkeit, wenn man sich zum Beispiel unterwegs bei einer Wanderung verletzt, ist, ein Gänseblümchen als „Erste –Hilfe“ einfach zu ernten, zwischen den Fingern zu zerreiben, bis Saft austritt und den auf die Verletzung oder auch auf einen Insektenstich aufzutragen. Übrigens hilft der Saft mit seiner antiviralen Eigenschaft auch bei Lippenherpes und eignet sich äußerlich zum Betupfen.

Zur Weiterbehandlung von Verletzungen gibt es mehrere Möglichkeiten.
Als Basisrezept stellen wir uns einen Gänseblümchenaufguss her. Man nimmt dafür eine stärkere Dosis: für eine Anwendung reichen 4 Teelöffel getrocknete Gänseblümchen oder 8 Teelöffel frische Gänseblümchen auf 1 Tasse kochendes Wasser, das Ganze 30 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen.

Diesen Aufguss können wir jetzt verwenden für Umschläge:
Einfach ein sauberes Tuch oder einen sauberen Waschlappen mit dem Gänseblümchenaufguss tränken und auf die verletzte Stelle auflegen und mehrmals täglich ca. 10 Minuten einwirken lassen. Bei Prellungen, Verstauchungen und Quetschungen wird der Schmerz gelindert, Blutergüsse bilden sich rascher zurück, Muskelschmerzen und Verspannungen werden gelindert und entzündete Wunden heilen schneller.
Den gleichen Aufguss können wir auch für Waschungen und Bäder verwenden bei chronischen Hautleiden wie Akne und Ekzemen, aber auch bei kleinen Schürfwunden zur Wundheilung und Vorbeugung einer Entzündung.

Und wenn mir das jetzt zu aufwendig ist oder ich keine „unbelasteten“ Gänseblümchen in der Nähe habe – was dann?

In dem Fall gibt es in der Apotheke getrocknete Gänseblümchen zu kaufen oder auch eine Tinkur, lateinisch „Bellis perennis-Urtinktur“. Von dieser werden 10 – 20 Tropfen in ¼ l Wasser für Umschläge gemischt oder 20 Tropfen auf ½ Liter Wasser für Waschungen gegeben. Auch diese Urtinktur kann innerlich und zum Betupfen bei Lippenherpes eingesetzt werden. Expertin zeigt Tinktur, gibt evt. einen Tropfen auf den Handrücken

Werden Gänseblümchen auch innerlich eingesetzt?
Ja, Gänseblümchen reinigen das Blut, unterstützen den Stoffwechsel und die Funktion der Leber, wirken verdauungsfördernd und sind somit ein einfaches Mittel zur Entgiftung des Körpers, so dass sich eine Teekur besonders im Frühjahr eignet und von Frühjahrsmüdigkeit befreit.

Teerezept: 1 TL getrocknete oder 2 TL frische Blütenköpfe (wenn möglich klein geschnitten – Expertin schneidet Gänseblümchen) mit ¼ l siedend heißem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. 3 x täglich eine Tasse trinken, evtl. mit Honig süßen.

Dieser Tee regt also den Stoffwechsel an, hilft zu entschlacken – kann er noch mehr?
Auch Hautleiden können durch die hautstoffwechselfördernde Stoffe des Gänseblümchens, welche Eiter und Furunkel abbauen, eine Heilung erfahren.
Als sogenannte „Arnika der Gebärmutter“ hat das Gänseblümchen auch in der Frauenheilkunde traditionell Verwendung und wird vor allem zur Förderung der nachgeburtlichen Rückbildung eingesetzt, denn es wirkt bindegewebsstraffend und kräftigt speziell die Beckenorgane. Kräuterpfarrer Künzle wiederum empfiehlt das Gänseblümchen in jedem Kindertee, weil sie durch diese „Kinderpflanze“ psychisch wie physisch gestärkt werden.
Nicht zuletzt ist Gänseblümchentee wunderbar bei hartnäckigem Husten, denn die Saponine, also die Seifenstoffe in den Gänseblümchen verflüssigen zähen Schleim und erleichtern das Abhusten. Genauso gut hilft gegen Husten auch ein Gänseblümchenhonig:

Rezept Gänseblümchenhonig:
Ein leeres Honigglas lageweise mit Gänseblümchenblüten füllen und mit einem guten, dünnflüssigen Honig Schicht für Schicht auffüllen. Mindestens zwei bis drei Wochen dunkel an einem warmen Ort stehen lassen, immer wieder wenden, damit sich die Blüten mit dem Honig gut vermischen. Dunkel lagern und bei Bedarf abseihen (zuvor nochmals warm stellen, damit der Honig gut abfließt) mehrmals täglich einen Esslöffel einnehmen.

Wie nimmt man denn das Gänseblümchen innerlich ein – kann man es einfach essen?
Gänseblümchen sind nicht nur gesund und lecker, sondern gleichzeitig auch ein Augenschmaus. Einfach einige Blüten und Blätter von den Stielen zupfen, in den Salat oder aufs Butterbrot geben und probieren:
Gänseblümchen sind eine wertvolle und preiswerte Nahrungsergänzung: Sie enthalten viel Vitamin C und wertvolle Mineralstoffe wie Kalium, Calcium und Magnesium. Außerdem hat auch ein gut gekautes Gänseblümchenbrot die oben genannten Heilwirkungen.

 

Sendung am: 
13. Mai 2009
In der Sendung: 
Kaffee oder Tee