Heilkraft aus der Speisekammer – die Zwiebel

Sie ist eine der ältesten Kulturpflanzen, wurde bereits von den Pyramidenbauern als „Doping“ geschätzt und galt als ein Symbol für Lebenskraft: die Zwiebel (Allium cepa) ist mehr als nur ein Küchengemüse.  War sie einst noch im pharaonischen Ägypten als sakrale Pflanze verehrt, wurde das gesunde und erschwingliche Lauchgewächs später abschätzig als „Arme-Leute-Essen“ bezeichnet. Ihr Ruf scheint dadurch gelitten zu haben, denn kaum jemand sieht in der Zwiebel noch eine potente Heilpflanze, die eine Vielzahl von Krankheiten lindern und kurieren kann. Doch manche erinnern sich vielleicht noch an die geruchsintensiven Zwiebelwickel bei Mittelohrentzündung – ein unersetzbares Hausmittel, denn die Zwiebeldämpfe lassen Schleimhäute abschwellen und Bakterien fast im wahrsten Sinne des Wortes „verduften“. Tatsächlich sind es die aufdringlich riechenden schwefelhaltigen Verbindungen, die einen Großteil des Heilpotentials ausmachen. Sie sind schön konserviert in der ungeschälten Zwiebel enthalten und werden erst durch das Zerkleinern wirksam. Zum Beispiel auch im altbewährten Hustensirup: dazu wird die Zwiebel zerschnitten und zusammen mit derselben Menge Honig in ein Schraubverschlussglas gegeben und so gut es geht verrührt. Schon bald bildet sich im Glas ein dünnflüssiger, gesunder Saft, der als Heilgetränk für die Bronchien löffelweise den Tag über verteilt eingenommen wird. Die entzündungshemmenden Eigenschaften der Zwiebel kommen uns sowohl in diesem als auch in anderen Fällen zugute, wenn uns etwa eine Biene gestochen hat und die betroffene Hautfläche mit Zwiebelscheiben bedeckt wird. Und sollte uns das Halsweh plagen, können wir uns mit einem Zwiebelwickel helfen: klein gehackte Zwiebeln in ein Tuch einschlagen und um den Hals binden, so dass sich zwischen Hals und Zwiebel eine Stoffschicht befindet (eventuell vorher etwas erwärmen). Daneben kann auch noch die äußerliche Anwendung bei Schnupfen, Furunkeln, Blutergüssen, Wunden, Hühneraugen und Narben erwähnt werden, aber wir sollten uns auf jeden Fall auch mit der positiven Wirkung des Essens von roher (!) Zwiebel beschäftigen – sie wird diesbezüglich sogar als Jungbrunnen bezeichnet! Tatsache ist nämlich, dass die Zwiebel zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen eingesetzt werden kann (Tagesdosis: 50 Gramm frische Zwiebel) und sowohl eine blutfett- wie auch blutdrucksenkende Wirkung hat. Daneben hilft sie Schwermetalle auszuleiten, unser Immunsystem zu stärken und bei Asthmatikern die allergisch bedingte Verkrampfung zu lindern. Und die ganz Mutigen bereiten sich einen Zwiebeltee aus in Scheiben geschnittener, überbrühter Zwiebel zu: dieser Tee  und auch schon das Einatmen der Dämpfe hilft bei Schnupfen – und der wird in den nächsten Wochen wahrscheinlich nicht ausbleiben, es sei denn, wir essen reichlich Zwiebeln ...

 

Erschienen: 
1. Oktober 2009
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld