Wild und würzig – die Knoblauchsrauke

Lassen auch Sie sich in diesen Tagen von der wieder erwachenden Natur herauslocken, um  den wohltuenden Frühlingsduft zu schnuppern und das frische Grün zu genießen? Dann fallen Ihnen vielleicht am Weges- oder Waldesrand einige besonders glänzende, runde Blätter auf, die am Rand eingekerbt oder gezackt sind. Wenn sich solch ein Blatt auch noch knackig anfühlt und beim Zerreiben überraschend auffällig nach Knoblauch duftet, haben Sie eindeutig die Knoblauchsrauke entdeckt! Und Sie ahnen es sicher: sie ist ein fantastisches – und zudem vitaminreiches - Gewürzkraut und lässt sich wunderbar in Kräuterbutter, Suppen, Soßen, Salate, Pestos und vielen anderen Gerichten verwenden. Bereits im Mittelalter wurde dieses Wildkraut mit dem besonderen Geschmack als preiswertes Gewürz geschätzt und gerne in Gärten angebaut. Zum Essen werden die Blätter und zarten Stängel von April bis Juli gesammelt – oftmals finden wir aber sogar bis in den Herbst hinein junge, zarte Triebe. Am besten verwenden wir das Kraut ungekocht und frisch, denn sonst verliert es den pfeffrig-knoblauchartigen Geschmack. Je länger wir warten, umso höher wächst die Knoblauchsrauke (bot. Alliaria petiolata) und umso kleiner und spitzer werden die Blätter an dem 30 bis 60 cm langen Stängel, denn sie müssen dann den weißen Blüten Platz machen. An diesen kleinen Kreuzblüten wird besonders deutlich, dass diese Würzpflanze nicht, wie zu vermuten, mit dem Knoblauch, sondern mit unseren Kohlgewächsen verwandt ist. So enthält auch sie als herausragende Wirkstoffe sogenannte Senföle, die das Kraut durchaus zu Heilzwecken nutzbar machen, selbst wenn diese Tatsache leider fast in Vergessenheit geraten ist. Zum Beispiel wurde die antiseptische Wirkung früher gerne genutzt, um mit dem frisch zerquetschtem Kraut schwer heilende Geschwüre, Wunden und Insektenstiche zu behandeln. Innerlich angewandt zeigt die Knoblauchsrauke bei Bronchitis und Asthma positive Wirkung und eignet sich sehr gut zu reinigenden Frühjahrskuren. Dazu essen wir sie ebenfalls frisch, aber wer mag, kann sich auch einen Tee daraus zubereiten. Wenn wir die Pflanze über Wochen beobachten, entdecken wir nach dem Verblühen der Pflanze bis zu sieben Zentimeter lange Schoten, in denen sich kleine schwarze Samen versteckt halten. Diese haben es wahrlich in sich und es lohnt sich eine Geschmacksprobe: hier haben wir es mit „wildem Pfeffer“ zu tun! Die Erntezeit dieser Samen, die auch wie Senfkörner verwendet werden können, ist zwischen März und September. Übrigens schätzen auch Tiere die Knoblauchsrauke und so sie ist beispielsweise eine wichtige Nahrungspflanze für die Raupen des Aurorafalters. Bekannt ist außerdem, dass dieses Wildkraut als kulinarische Bereicherung von Landschildkröten und Nymphensittichen sehr gemocht wird – so können Sie also nicht nur sich selber, sondern gegebenenfalls auch ihren kleinen tierischen Freunden eine Freude bereiten.

 

Rezepte:

Wilde Knoblauchbutter
Eine Hand voll Blätter der Knoblauchsrauke waschen, abtrocknen, klein schneiden und mit 250 Gramm weicher, leicht gesalzener Butter mischen. Schmeckt besonders lecker auf frisch gebackenem Brot und lässt sich gut einfrieren.

Grüne Pfannenkuchen
Ungefähr 60 Gramm Blätter der Knoblauchsrauke werden in einem Gemisch von ¼ l Milch, einer guten Prise Salz und vier verquirlten Eiern püriert. 150 Gramm Mehl darunter mischen, 30 Minuten stehen lassen und anschließend in heißem Fett in der Pfanne ausbacken – eventuell geriebenen Käse darauf zergehen lassen und  dann einfach genießen.

 

Erschienen: 
1. März 2009
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld