Ein „wilder Brokkoli“ – der Wiesen-Bärenklau

Wenn wir im Frühjahr über die frischgrünen Wiesen schlendern und junge flauschige, tatzenähnliche Blätter aus der Erde sprießen sehen, dann ist es gut möglich, dass wir einen Wiesen-Bärenklau entdeckt haben. Diese Blätter können wir dann z.B. in einem kräftigenden Salat oder einer reinigenden Kräutersuppe verwenden und paniert ist er ein besonderer Genuss. Damit wir keine Wiesen-Dermatitis beim Pflücken bekommen, sollten wir anschließende Sonnenbestrahlung der Hände meiden – das ist ist die einzig bekannte „Gefahr“, die von diesem sehr häufig anzutreffenden Wiesenkraut ausgeht (und v.a. empfindliche Menschen betrifft). Kein Vergleich zum großen Bruder des Wiesenbärenklaus: dem Riesen-Bärenklau oder auch Herkulesstaude genannt, die heutzutage berühmt-berüchtigt geworden ist, weil sie sich in Windeseile verbreitet, riesengroß wird und bei Berührung extreme Verbrennungen hervorruft (zum Glück aber das Rieselfeld noch nicht besiedelt hat!). Der lateinische Name „Heracleum sphondylium“ bezieht sich übrigens auf den griechischen Helden Herkules, dessen Kraft, Härte und Ausdauer gerühmt wurde. Es werden also auch unserem Wiesen-Bärenklau seit langer Zeit jene Eigenschaften nachgesagt – das Wurzelpulver wird sogar als „Ginseng-Ersatz“ bezeichnet. Doch neben dieser anrengenden Wirkung ist diese Pflanze in der Volksheilkunde bekannt gegen Husten, Durchfall mit Blähungen und Bluthochdruck und zur Verdauungsförderung. Im späten Frühjahr wachsen dann lange Stängel mit Doldenblüten empor, deren Knospen als „Wiesen-Brokkoli“ gedünstet werden können und eine nette, „wilde“ Gemüsealternative darstellen. Während der Blütezeit selber tümmeln sich zahlreiche Insekten auf der Pflanze, die für uns dann eher unangenehm duftet, aber deren junge Blätter nach wie vor verzehrt werden können und ebenso die zarten, geschälten Stängel der noch nicht aufgeblühten Dolden. Wer die Pflanze nicht speisen mag, kann sich statt dessen eine Wurzel stechen und als Amulett tragen – ja dieser Gebrauch soll laut älterer Kräuterliteratur zu „ehelich’ Werken“ reizen! Und wer nun noch ein markantes Erkennungsmerkmal wissen möchte, merke sich diesen Satz: „Ist der Stängel kantig rau, ist es Wiesen-Bärenklau“.

Erschienen: 
1. April 2007
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld