Nicht nur zur Weihnachtszeit: Räuchern mit Heilpflanzen

Wer kennt ihn nicht – den Duft des verräucherten Weihrauches, dem kostbarem Harz eines exotischen Baumes, der einst Einzug in die Gotteshäuser gefunden hat, weil er zum Einen die Entspannung und innere Sammlung bewirkt und zum Anderen wegen seiner starken desinfizierenden Eigenschaften zum Schutz vor Ansteckung geschätzt wurde. Doch nur Wenige wissen, dass das Verräuchern von Pflanzenteilen die Wurzel der Parfumerie (von lat. „per fumum“ = durch den Rauch) ist und diese Kunst schon vor Jahrtausenden weltweit zum Beduften von Kleidung, für religiöse Rituale, zur Begleitung bei Meditationen und zu Heilzwecken ausgeübt wurde. So hat das Räuchern von Pflanzenteilen auch in unserem Kulturkreis eine sehr lange Tradition. Dabei herausragend waren Beifuß, Wacholder, Mariengras und Tannenharz, aber auch Holunderblüten, Baldrian, Johanniskraut, Schafgarbe und viele weitere Kräuter wurden verwendet. Jede Droge verleiht der Räucherung dabei eine andere Qualität  - auf feinstofflicher wie körperlicher Ebene, von reinigend, schützend, beruhigend bis konzentrationsfördernd, stärkend, desinfizierend und schmerzlindernd. Auch ohne „professionelle“ Ausstattung können wir uns diesen intensive Form von Pflanzenduft in’s Haus holen und auf unsere Gefühle, Hormone und das vegetative Nervensystem wirken lassen. Wie wäre es beispielsweise mit einem Räucherritual, das passend zu dieser Jahreszeit beruhigend, entspannend und meditationsfördernd ist und zudem befreiend auf die Atemorgane wirkt? Dazu sammeln wir bei unserem nächsten Spaziergang Nadeln und ganz feste Harzbrocken von Fichte, Tanne oder Kiefer und lassen diese auf der Heizung gut nachtrocknen. Dann nehmen wir ein Teesieb aus Metall, legen ein Stück Alufolie hinein und darauf ein Stückchen Harz und einige Nadeln. Das Ganze legen wir auf ein Stövchen oder halten es so hoch über ein Teelicht, dass die Pflanzenteile ganz sanft zu räuchern beginnen – und schon werden wir umhüllt vom Pflanzenduft dieses immergrünen Baumes und können unsere Seele baumeln lassen und zur Ruhe finden. Übrigens haben die Tage „zwischen den Jahren“, die sogenannten Rau(ch)nächte zwölf Tage ab Heilig Abend bis Heiligdreikönig ihren Namen daher, dass diese Zeit, wie auch andere Übergangsphasen, sich besonders zum Räuchern eignet. So ist es z.B. möglich, sich durch Räucherungen vom alten Jahr zu verabschieden, von Ungutem zu reinigen, in sich zu kehren und für das neue Jahr Wünsche entstehen zu lassen. Und wem es in dieser dunklen Jahreszeit eher nach Harmonie und Romantik ist, kann einfach einige stark duftende Rosenblütenblätter auf dem Sieb sanft verglimmen lassen ...

 

 

 

Erschienen: 
15. Dezember 2006
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld