Der Löwenzahn oder „Ginseng Europas“

Kaum ist der Schnee weggetaut, da tauchen sie mit ihrer unverkennbaren Form und dem satten Grün wieder auf der Wiese auf: die Löwenzahnblätter. Und davon können wir eigentlich gerade zu dieser Jahreszeit gar nicht genug bekommen, denn sie sind ein Hauptbestandteil von legendären Frühjahrskuren, die uns so richtig durchputzen und zu neuen Kräften bringen sollen. Dazu sammeln wir wenn möglich täglich eine Hand voll zarter Blätter von unbelasteten Wiesen, essen sie im Salat, in einer Suppe oder genießen sie als Tee, und schon wird unser Stoffwechsel auf wohltuende Weise angeregt. Die Leber profitiert ganz besonders von diesem kraftvollen Kraut und kurbelt ihre Entgiftungs- und Ausleitungsfunktion tüchtig an, bildet zudem mehr Gallenflüssigkeit (weshalb bei Gallensteinleiden therapeutischer Rat eingeholt werden sollte), welche wiederum unserer Verdauung zugute kommt. Insgesamt werden wir so von belastenden Stoffen befreit, die Nährstoffe werden besser verwertet und Fette leichter verarbeitet, wir erhalten eine gesunde Extraportion an Mineralstoffen und Vitaminen (v.a. Kalium und Vitamin C) und kommen auf diese Weise zu vielleicht ganz ungewohnten Kräften. Das ist auch der Grund, weshalb der Löwenzahn (bot. Taraxacum officinalis) mitunter als „Ginseng Europas“ bezeichnet wird. Verheimlichen lässt sich nicht sein Hauptwirkstoff: es ist ein Bitterstoff, der alle Verdauungssäfte wunderbar unterstützt und im Laufe des Jahres in den Blättern immer dominanter wird und unserem verwöhnten Geschmack nicht mehr unbedingt zusagt, was eigentlich schade ist. Die Zeit der Blüte sollten wir nicht nur dazu nutzen, bitterfreien „Löwenzahnhonig“ herzustellen, sondern gerne auch täglich einige Blütenstängel als Reinigungskur knabbern. Keine Angst – der weiße Milchsaft ist nicht giftig (ruft nur in seltenen Fällen Allergien hervor) und reizt den Magen höchstens in größeren Mengen verzehrt. Natürlich sind auch die Blüten essbar und ein schöner Farbtupf auf Nachspeisen oder im Salat, allerdings werden sie therapeutisch nicht eingesetzt, weil ihnen die wichtigen Wirkstoffe fehlen. Wer aber nun gar nicht die Möglichkeit dazu hat, Löwenzahn selber zu sammeln, erhält in der Apotheke einen Tee aus den Wurzeln und Blättern, den vor allem gicht- und rheumakranke Menschen zu schätzen wissen. Dass der Löwenzahn übrigens eine zur Entgiftung durchaus erwünschte harntreibende Wirkung hat, besagt der Volksname „Bettsaicher“ oder die französische Bezeichnung „Pissenlit“. Wir sollten uns also über die möglichen schlafraubenden Folgen im Klaren sein, wenn wir uns dieses Heilkraut abends zu Gemüte führen ...

Löwenzahnhonig

1 Litergefäß voll Löwenzahnblüten mit 1 Liter Wasser bedecken und aufkochen. Ca. ½ Min. köcheln lassen, bis das Wasser eine gelbe Farbe hat. Abkühlen, Saft abfiltern und auf 1 Liter Wasser auffüllen. Saft von  1 Zitrone sowie 1 kg Zucker zugeben. Unter Rühren die Flüssigkeit aufkochen und so lange köcheln lassen, bis die Hälfte davon verdunstet ist. Abkühlen und eventuell nochmals köcheln, falls die Konsistenz noch zu flüssig sein sollte.

Löwenzahnkaffee

Aus Löwenzahn kann Kaffeeersatz hergestellt werden, indem die kleingeschnittenen Wurzeln im Backofen bei über 200°C ca. 10 min geröstet (dampft sehr!), anschließend gemahlen, in Wasser aufgekocht und abgeseiht werden.

Erschienen: 
1. April 2006
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld