Mehr als nur ein Gewürz - der Thymian

„Der nächste Schnupfen kommt bestimmt, doch nicht zu dem der Thymian nimmt!“ verrät uns ein altes Sprichwort – haben wir es denn tatsächlich bei dem gewöhnlichen Küchenkraut mit einer wichtigen Heilpflanze zu tun? Es ist in der Tat so: unser Gartenthymian (Thymus vulgaris), welcher aus dem Mittelmeergebiet stammt und durch die Benediktiner-Mönche in den Norden gebracht wurde, strotzt geradezu vor Kraft, die vor allem darin deutlich wird, dass er die Fähigkeit besitzt, Bakterien und Viren abzutöten. Daher stammt auch sein Name, denn „Thymos“ bedeutet übersetzt Kraft und Mut. Sein Hauptwirkstoff ist ein ätherisches Öl, was dem Thymian seinen charakteristischen Geruch und unseren Speisen eine besondere Note verleiht. Diesem ätherischen Öl konnte inwischen eine extrem starke Wirkung gegen Mikroorganismen (auch dem Typhusbazillus) nachgewiesen werden, d.h. es wirkt stark desinfizierend und eignet sich fantastisch zur Behandlung von Atemwegserkrankungen. Früher wurde diese keimtötende Wirkung verständlicherweise sehr gerne auch zur Haltbarmachung von Lebensmitteln, insbesondere Fleisch, genutzt. Gerade in der kälteren Jahreszeit sollten wir an den Thymian denken und prohpylaktisch hin und wieder ein Tässchen seines Tees trinken oder spätestens dann, wenn sich die ersten Schnupfen- oder Hustensymptome bemerkbar machen. Dann ist es auch Zeit, eine Inhalation mit dem Tee oder besser noch dem ätherischen Öl durchzuführen – das nimmt allen Bakterien die Lebenslust und lässt uns schneller wieder genesen. Als krampfstillendes und desinfizierendes Kraut sollte der Thymian in keiner Hustenteemischung fehlen (schmackhaft und wirkungsvoll ist auch der Sirup, Rezept s.u.), außerdem eignet er sich zum Gurgeln bei Halsschmerzen und Mandelentzündung. Und wem das noch nicht genug ist, kann sich ein Bad aus Thymian zubereiten, welches bei Gliederschmerzen, rheumatischen Erkrankungen und Menstruationsbeschwerden wertvolle Hilfe leistet. Nicht therapeutisch anwenden sollten wir das Kraut bei einer Schilddrüsenerkrankung (er kann zu einer Überfunktion führen) und wegen seiner gebärmutteranregenden Eigenschaft während einer Schwangerschaft. Als Küchengewürz wiederum hilft uns der Thymian bei der Fettverdauung, wirkt appetitanregend und belebend auf unser Verdauungssystem. Und für diejenigen, die  Gefallen an alten Traditionen haben, gibt es weitere interessante Verwendungsmöglichkeiten: sie können sich einen Thymiankranz zum Schutz vor Blitzschlag basteln, ein Sträußlein zum Vertreiben des Teufels ans Fenster hängen oder Thymianzweige unter brütende Hennen legen, um den Jungtieren das Ausschlüpfen zu erleichtern.

Hustensirup selber hergestellt:
50 gr. getrockneten Thymian (z.B. aus Apotheke oder Bioladen) mit einem dreiviertel Liter kochend heißem Wasser übergießen und bis zum Erkalten ziehen lassen. Dann abseihen, gut ausdrücken und die verbleibende Flüssigkeit mit derselben Menge an Rohrzucker verrühren. Ungefähr ½ Stunde auf niedriger Flamme einköcheln, heiß in eine saubere Flasche füllen und im Kühlschrank lagern. Bei Husten teelöffelweise mehrmals am Tag einnehmen. Eignet sich sehr gut für Kinder.

Erschienen: 
1. Dezember 2005
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld