Ein „duftes“ Pflänzlein – das Märzveilchen

Seine Heimat ist der Kaukasus, der Mittelmeerraum und das westliche Europa, aber es wurde einst von den Römern verbreitet und verkündet seither bei uns den Frühling – das Duft- oder Märzveilchen. In der Dichtung ist es stets sehr beliebt gewesen und ist nur von der Rose in der Gunst des Volkes übertroffen worden. Attribute wie Zartheit, Bescheidenheit, Unschuld, Reinheit etc. wurden dem kleinen Veilchen gerne angehaftet und der blumig warme Duft mit der einzigartigen Note war und ist sehr beliebt. Daher stammt auch der botanische Namen “Viola odorata”, was duftend bedeutet. Warum ein blaues Auge „Veilchen“ genannt wird, erklärt schon ein Blick auf die lila Farbe. Doch herausragend ist das Duftveilchen vor allem auch durch seine Heilwirkungen. Blüten (nur im Frühjahr anzutreffen) wie Blätter (das ganze Jahr über) sind essbar oder als Tee zu genießen. Sie besitzen u.a. Schleimstoffe, Carotin, Vitamin C, Vitamin A und Kalzium und eignen sich beispielsweise zum Gurgeln bei Halsentzündungen und als Tee mit kühlender und befeuchtender Wirkung bei Bronchitis mit festsitzendem Schleim, bei trockenem Husten, zur Stärkung für das Immunsystem sowie zur Blutreinigung. Doch damit nicht genug – dieses unscheinbare Pflänzlein lindert äußerlich angewandt als Kompresse oder Salbe Kopfschmerzen und Entzündungen, macht die Haut weich und kann Geschwüre zum Abklingen bringen. Die berühmte kräuterkundige Äbtissin Hildegard von Bingen rühmte schon vor über 800 Jahren die Heilkräfte des Veilchens und wies bereits auf die tumorlindernde und krebsvorbeugende Eigenschaften hin, welche von heute praktizierenden Heilkundigen bestätigt wird. Die durch sie bekannt gewordene Veilchensalbe bewirkt eine schöne Narbenbildung (nicht direkt auf die Wunde geben!), regt die körpereigenen Selbstheilungskräfte an und kann bei gut- und bösartigen Hautveränderungen und zur Nachbehandlung von Strahlenschäden und Verbrennungen eingesetzt werden. An Salaten und in Suppen verspeist erhöhen Veilchenblätter wiederum unsere Widerstandskraft gegen Infekte, stärken die Wundheilungskräfte und beugen Kopfschmerzen vor. Im Altertum übrigens was es beliebt, aus der Pflanze Kränze zu flechten und bei Festlichkeiten und Orgien zu tragen - sie sollten vor Kopfschmerzen, verursacht durch Trunkenheit, schützen.

Rezepte:

Veilchensalbe nach Hildegard von Bingen
90g Veilchensaft mit 30g Olivenöl und 90g Bocks-/Hammeltalg vermischen und bei geringer Hitze zu einer Salbe kochen.

Veilchensirup
Ein Litergefäß (zwei Hände) voll Veilchenblüten mit ½ l Wasser aufkochen und 24 Stunden ziehen lassen. Abseihen und verdunstete Flüssigkeit wieder mit Wasser auf 500 ml auffüllen, aufkochen und damit erneut ein Litergefäß voll Veilchenblüten aufgießen und nach 24 Stunden abgießen. 500 g Zucker und des Saft einer Zitrone dazu geben und köcheln lassen, bis 1/3 der Flüssigkeit verdunstet ist. Heiß in saubere Flaschen füllen und gleich verschließen. Teelöffelweise bei Husten verabreichen.

Veilchenessig
Zwei Tassen voll Veilchenblüten mit ½ l Apfelessig (und evt. wenig Kandiszucker) in eine Flasche füllen und gut verschlossen mindestens 8 Wochen ziehen lassen. Der Essig nimmt eine leuchtende Tönung an und duftet süß.

Veilchengelee
1 l Blüten mit 1 l Apfelsaft aufkochen, abkühlen, durch Sieb filtrieren. ¾ l Saft abmessen, etwas Zitronensaft und Gelierzucker zugeben und nach Anweisung auf der Packung zu Gelee kochen. Heiß in Gläser füllen und verschließen.

Veilchen im Eismantel
Eine Eiswürfelschale zur Hälfte mit Wasser füllen, jeweils eine Veilchenblüte hinein legen und anfrieren lassen. Dann ganz mit Wasser auffüllen und gefrieren lassen. Eignet sich besonders gut für Blütenbowle oder Sekt.

Kandierte Veilchenblüten
Ein Eiweiß mit Wasser schaumig, aber nicht steif rühren und mit einem feinen Pinsel die Veilchenblüten damit bestreichen oder in den Eischaum tunken. Anschließend die Blüten auf Butterbrotpapier auslegen und mit sehr feinem Zucker oder Puderzucker bestreuen. Über nacht an einem warmen Ort, z.B. auf Heizung, trocknen lassen. Gut verschlossen sind die kandierten Blüten mehrere Monate haltbar.

Erschienen: 
1. April 2005
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld