Riesige Blüten und fette Samen - die Sonnenblume

Schon die Azteken haben sich einst mit Kränzen dieser berühmten Blüten geschmückt und erst im 16. Jahrhundert kam die Sonnenblume von Südamerika zu uns nach Europa, wo ihre Samen seit über 200 Jahren mit großem Erfolg wirtschaftlich zur Ölherstellung genutzt werden und ihre Blumen viele Gärten verschönern. Einst wuchsen diese bis zu 5 m hohen sonnenverwöhnten Pflanzen inmitten der über zwei Meter hohen Präriegräser, die den riesigen Büffelherden als Futter dienten. Doch beginnen wir bei den wunderschönen, der Sonne folgenden Blüten (daher stammt der lateinische Name „Helianthus anuus“). Die goldgelben Zungenblüten der Korbblütlerin sind essbar und werden schon seit langer Zeit zur Teezubereitung bei Fieber unterschiedlichster Ursachen verwendet, denn sie wirken schweißtreibend und abwehrstärkend. Die gedünsteten Knospen können gegessen werden und mit dem Presssaft aus Stängeln, Blättern, Blütenblättern behandelten Indianer Insektenstiche und –bisse, v.a. auch die giftiger Spinnen. Doch ihre Kräfte verausgabt die Sonnenblume, auch Indianische Sonne oder Sonnenkrone genannt, im Gegensatz zu ihrer Schwester, der Topinambur, in einen riesigen Blütenkopf mit vielen dicken, ölhaltigen Samen, so dass sie nur eine Vegetationsperiode leben kann. Diese Samen haben sie berühmt werden lassen, denn daraus lässt sich eines der wertvollsten Speiseöle gewinnen, dem eine cholesterinsenkende Wirkung zugesprochen wird und das somit vorbeugend gegen Arteriosklerose und Bluthochdruck wirkt. Aus der Ukraine stammt der Brauch des „Ölschlürfens“, d.h. morgens werden ein bis zwei Teelöffel kalt gepresstes Sonnenblumenöl etwa 15 Minuten lang durch die Zähne gezogen und im Mundraum hin- und herbewegt. Viele schwören darauf, dass diese Anwendung Schadstoffe erfolgreich aus dem Körper ausscheiden lässt und schon bei unterschiedlichsten Beschwerden wie Allergien, Schmerzen, Hauterkrankungen geholfen hat. Äußerlich kann das Öl zur Massage schmerzender Gliedmaße oder als Auflage bei schlecht heilenden Wunden verwendet werden. Doch vor allem sollten wir Sonnenblumenkerne als Knabberei in unseren Speiseplan integrieren, denn sie versorgen uns mit dem heilkräftigen Öl, den Vitaminen A und E, vielen Mineralien, Eiweiß, mehrfach ungesättigten, lebensnotwendigen Fettsäuren und sie sollen stimmungsaufhellend wirken. So können einem alten Brauch folgend Eltern ihre Kinder sogar auch vor Alpträumen schützen, indem sie ihnen einen Amulettbeutel mit Samen in die Wiege legen.

Sonnenblumenkernbutter („Aufbaubutter“)

Eine Tasse Sonnenblumenkerne mit ein bis zwei Esslöffeln Honig im Mixer zu einer sämiger Masse pürieren und kühl in einem verschlossenen Glas aufbewahren. Die Butter kann als Brotaufstrich verwendet und ebenso verbacken oder an gedünstetes Gemüse gegeben werden. Sie ist sehr energiereich und kann somit auch zum Kräftigen und Stärken nach überstandener Krankheit verwendet werden.

 

 

 

Erschienen: 
1. Oktober 2004
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld