Klein aber bombig - die Vogelmiere

Obwohl sich zu dieser winterlichen Zeit die meisten Kräuter in die Erde zurückziehen, dürfen wir uns auch jetzt an einer sehr vitalen Heilpflanze erfreuen, die garantiert nicht weit entfernt von unserer Haustüre gedeiht: die Vogelmiere.
Mit ihren frischen, im Wirrwarr übereinanderwachsenden Stengel und den unscheinbaren weißen Blüten schmückt dieses Kraut so manche Rieselfelder Baumscheibe oder schmuggelt sich in Blumentöpfe und Gemüsebeete. Doch wer hätte beim Unkrautjäten jemals gedacht, dass dieses potente Pflänzchen (mit bis zu 20.000 Samen pro Generation!) als Salat verspeist den Tagesbedarf an Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium und Vitamin C decken kann? Wir haben es also mit einer wahren grünen Vitamin- und Mineralstoffbombe zu tun! Doch abgesehen von ihren stärkenden Eigenschaften vermag die Vogelmiere auch Husten zu lindern und verschiedenste entzündliche Beschwerden zu erleichtern. Äußerlich angewendet wirkt der Pflanzensaft ausgezeichnet kühlend und heilend beispielsweise bei Insektenstichen oder juckenden Ausschlägen. Übrigens lieben auch Vögel und Hühner diese vitaminreiche Frischkost, deren botanischer Name „Stellaria media“ auf die sternförmigen Blüten hinweist. Wir können sie aber auch an der feinen Haarleiste oder an den langen Fäden erkennen, die beim vorsichtigen Zerreißen der Stengel sichtbar werden. Statt in den Komposthaufen sollten wir dieses unterschätzte Wildgemüse also besser in unsere Küche befördern und besonders im Winter hin und wieder von dem frischen Grün naschen, das mitunter sogar unter dem Schnee hervorschaut.

Erschienen: 
1. Dezember 2000
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld