Die Gundelrebe

Wenn wir im Frühjahr unseren Blick für die erdnahen Pflänzlein öffnen, so treffen wir dabei sicher auch auf die Gundelrebe (Glechomea hederacea), die kaum einen naturnahen Garten, einen Wegrand oder eine Wiese verschmäht. Erkennen können wir die Gundelrebe an den blau-violetten Lippenblüten, den vierkantigen Stengeln, den gegenüberstehenden Blättern und vor allem an dem ungewöhnlich würzigem und aromatischem, minzeartigen Duft ihrer zerriebenen Blätter, der sie eindeutig von ähnlichen Pflanzen unterscheidet. Dieses unscheinbare Pflänzlein wurde einst als sehr kraftvolles Heil- und Ritualkraut angesehen und kann unsere Hausapotheke wie auch unseren Speiseplan sehr bereichern.
„Gund“ war im germanischen Sprachgebrauch die Bezeichnung für Eiter und deutet darauf hin, dass mit diesem Kraut schon seit langem eitrige Wunden bzw. Krankheiten mit eitrigem Auswurf behandelt wurden. Rituell wurde sie beispielsweise während der traditionellen „Grünen Neun“ (die uns heute mancherorts noch als Gründonnerstagssuppe begegnet) in Kränzen getragen - als Zeichen der Verbundenheit mit den Göttern und den Kräften der Natur. In jener Suppe durfte sie zudem als einer der wichtigsten Bestandteile nicht fehlen. Gerne wurde die kleine Rebe in der Nähe von Haus und Hof gesehen, denn unter den Blättern hielten sich angeblich die mit dem Hof verbundenen, wohlwollenden Geister und Heinzelmännchen aufhalten.
Von der Gundelrebe, auch Gundermann genannt, können wird das ganze blühende Kraut verwenden, welches u.a. Vitamin C, viel Kalium, ätherisches Öl und Bitterstoffe enthält.
Schon Hildegard von Bingen hat es sehr geschätzt und bei Appetitlosigkeit, Husten mit zähem Schleim und äußerlich zur Wundebehandlung und zum Spülen und Gurgeln bei Entzündungen in Mund und Rachen eingesetzt. Dazu können wir einen Tee aus frischem oder getrockneten Gundelrebenkraut verwenden, der entzündungshemmend, schmerzlindernd, schleimlösend und verdauungsfördernd wirkt und äußerlich als Spülung oder Auflage verwendet werden kann. Durch den aromatischen Geruch und Geschmack wurde die Gundelrebe „wilde Petersilie“ genannt und kann sehr gut als Würzkraut verwendet werden und eignet sich getrocknet wie frisch in süßen und salzigen Speisen. aus den kräftigsten Heilpflanzen dieser Jahreszeit (Frühling), eingenommen um sich mit den guten und heiligen Kräften in der Natur zu verbinden und mit den Göttern in Harmonie zu treten. Außerdem erhielten die Menschen dadurch neue Lebenskraft nach dem harten Winter. Machen auch wir es wie unsere Vorfahren und integrieren dieses kräftige Heilkraut in unsere Nahrung – schließlich sollen wir dadurch neue Lebenskraft nach dem überstandenen Winter erhalten.

Rezepte

„Grüne Neun“
Frische Gundelrebe zusammen mit acht weiteren Frühlingskräutern (z.B. Brennessel, Gänseblümchen, Spitzwegerich, Bärlauch, Vogelmiere, Melde, Giersch, Sauerampfer) klein schneiden und zusammen mit zwei klein geriebenen Kartoffeln in 1 Liter Gemüsebrühe ca. 5 Minuten köcheln lassen und anschließend pürieren.

„Wiesen-After-Eight“ (Gundermann-Konfekt)
100g Halbbitter-Kuvertüre im Wasserbad schmelzen, ca. 40 große Gundermannblätter auf Butterbrotpapier legen und erst eine Seite mit der Kuvertüre bestreichen, kurz zum Erhärten kalt stellen, dann die Blätter loslösen, umdrehen und die andere Seite bestreichen, wieder kalt stellen.

Gundermann-Quark
In ¼ l Sahne 2 Bananen, 1 Apfel (entkernt und entstielt) sowie eine Hand voll Gundermannblätter pürieren. Mit  500 gr. Magerquark und dem Saft einer Zitrone vermischen und evtl. mit Ahornsirup oder Honig süßen. Als Dekoration dazu eignet sich Gundermann-Konfekt.

Gundermann-Gelee
1 Messzylinder (1 Liter) frisches Kraut oder die Hälfte getrocknetes mit 1 l Wasser aufkochen, 1 –2 Min. köcheln lassen, abkühlen, durch Sieb abseihen. ¾ l Saft abmessen, etwas Zitronensaft und Gelierzucker zugeben und nach Anweisung auf der Packung zu Gelee kochen. Heiß in Gläser füllen und verschließen.

Erschienen: 
1. April 2004
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld