Schön, scharf und schützend - die Kapuzinerkresse

In seiner Heimat Peru wurde das Kraut von der indianischen Bevölkerung vor allem zur Be-handlung von Wunden aller Art verwendet, aber inzwischen erfreut sich die Kapuzinerkresse (Tropaelum majus) in fast allen Teilen der Erde vor allem als robustes, wenn auch frostemp-findliches Ziergewächs großer Beliebtheit und schmückt im Sommer viele Gärten und Balko-ne. Im Schatten bildet sie wenig Blüten und lange Ranken, aber im Halbschatten und in der Sonne fühlt sie sich sichtlich wohl und dankt mit einer reichen Blüte. Durch die Ähnlichkeit mit der Kopfbedeckung eines Kapuzinermönchs kam diese Kresse zu ihrem deutschen Namen, während die griechische Bezeichnung Tropaion so viel wie Siegeszeichen oder Trophäe be-deutet, da die Blätter an Kampfschilder erinnern.
Wer diese Pflanze nicht nur als Augen-, sondern auch als Gaumenschmaus genießen mag, tut sich auch gesundheitlich viel Gutes. Die frischen jungen Blätter und Blüten der Kapuziner-kresse enthalten nämlich als Hauptwirkstoff ein Senföl, dem eine starke antibiotische Wirkung nachgewiesen werden kann und welches vor Pilzen, Bakterien und Viren schützt. So kann die Kapuzinerkresse naturheilkundlich vor allem gegen Infektionen der Harnwege, bei katarrhali-sche Erkrankungen der Atemwege und grippalen Infekten eingesetzt werden und ist sehr wirksam bei Blasen-, Nebenhöhlen- und Mandelentzündung. Ein hoher Anteil an Vitamin C steigert zudem die körpereigene Abwehrkraft und stärkt das Immunsystem. Wer die Blätter nicht frisch zu sich nehmen kann, erhält auch Fertigpräparate in der Apotheke.
Kulinarisch passt der pfeffrige, scharf-aromatische Geschmack der Kapuzinerkresse zu Sala-ten und Quarkaufstrichen und findet Verwendung in Kräutersoßen, Dips und Mayonnaisen, in Kräuterbutter oder pur aufs Brot. Die hübschen Blüten machen jede Speise sowie sommerli-che Getränke farbenfroh und eignen sich gut als Dekoration – ebenso wie die großen Blätter, die sich zum Beispiel als „Untersetzer“ für Butter eignen. Junge Blütenknospen und noch un-reife, weiche Samen können mit Gewürzen in Essig eingelegt und als Kapernersatz verwen-det werden. Wer nun die Kapuzinerkresse als Leckerei zu schätzen lernt, muss wissen, dass der Genuss dieser Pflanze die Verträglichkeit von Alkohol herabsetzt und so die Hemmungen schneller fallen lässt – das war wohl der Grund, weshalb es früher hieß, die Kapuzinerkresse mache „lustig und begierig zur Unkeuschheit“.

Rezepte:

Kräuterquark mit Kapuzinerkresse
Zehn kleine Kapuzinerkresseblätter in Streifen schneiden, mit 250 g Speisequark mischen, mit Salz, Pfeffer und eventuell Zitronensaft abschmecken. Je nach Wunsch eine zerquetschte Knoblauchzehe zufügen. Einige Blüten zur Dekoration auf den fertigen Quark stecken.

Kapuzinerkresse-Kapern
Die Knospen der Kapuzinerkresse werden nach dem Pflücken gewaschen und in ein Schraubglas gegeben. 1/8 l Weißweinessig mit ½ TL Salz und 1 TL Zucker aufkochen, über die Knospen gießen und diese im verschlossenen Glas etwa 3 Wochen ziehen lassen.

Blütenessig
Vier aufgeblühte Blüten der Kapuzinerkresse in eine Flasche stecken. Essig mit etwas Salz, einer kleinen roten Chilischote, einer geschälten Schalotte und einer geschälten Knoblauch-zehe vermischen. Die Essigmischung nun über die Blüten gießen, die Flasche verschließen und zwei Wochen auf einem sonnigen Fensterbrett ziehen lassen und einmal täglich schütteln. Der Blütenessig ist ungefähr 6 Monate haltbar und passt besonders gut zu Salaten.

Erschienen: 
1. Juli 2003
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld