Sonnenschutz und Venenheil – die Rosskastanie

Wer im Rieselfeld lebt, macht früher oder später auf jeden Fall Bekanntschaft mit ihr – der großen stattlichen Rosskastanie, die unübersehbar aus dem Naturschutzgebiet herausragt und unter der eine Bank zum Verweilen einlädt. Ursprünglich in Nordgriechenland, im Gebirge des Kaukasus und im Himalaja beheimatet, fand die erste Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) erst 1576 nach Wien, von wo aus sie sich rasch verbreitete und bei uns zu einem der beliebtesten Bäume für Schlossgärten und Alleen und später für Biergärten wurde. Grund dafür war nicht nur das schnelle Wachstum, sondern auch die Eigenschaft der Rosskastanie, hervorragend Schatten zu spenden, indem sie UV-Licht resorbiert. So werden auch heute noch Extrakte (vor allem der jungen Rinde) in natürlichen Sonnenschutzmitteln und sogenannten Gletschersalben verwendet. In der Naturheilkunde ist dieser Baum vor allem als Venenheilmittel bekannt geworden, denn aus ihm hergestellte Fertigpräparate wirken auf die Venen festigend, durchblutungsfördernd und entzündungshemmend und werden deshalb erfolgreich z.B. bei Krampfadern, Hämorrhoiden, Ödemen, Schweregefühl in den Beinen und der Neigung zu Nasenbluten eingesetzt. Die geraffelten Samen (= Kastanien), in durchlässige Säckchen gefüllt,  wurden einst wegen ihrer Seifenstoffe zum Wäsche waschen eingesetzt – umweltfreundlicher geht´s kaum! Einfach und effektiv ist auch ein mit getrockneten Kastanien gefüllter Beutel zur Fußmassage oder (vorher im Ofen aufgewärmt) als Wärmekissen. Einen Versuch wert ist die alte Tradition, drei Kastanien gegen Rheuma- oder Rückenschmerzen bei sich zu tragen – das soll nicht zuletzt auch vor schädlichen Strahlen schützen. Dass Kinder die Kastanien zum Basteln zu schätzen wissen, müsste wahrscheinlich gar nicht erwähnt werden. Gründe genug jedenfalls, weshalb uns der eine oder andere Herbstspaziergang an der Rosskastanie vorbei führen sollte ...

Erschienen: 
1. Oktober 2002
Erschienen in: 
Stadtteilzeitung Rieselfeld